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Penis, Vulva oder „Pipimann“? - Genitalien in der Kita richtig benennen

ehansen-olpe
vor 16 Stunden
4 Min. Lesezeit


Welche Begriffe sollten pädagogische Fachkräfte in der Kita für die Genitalien verwenden? Und wie gehen Erzieherinnen und Erzieher damit um, wenn Kinder „Mumu“, „Pullermann“ oder ganz eigene Wörter für ihre Geschlechtsorgane verwenden? Eine einfache Grundregel hilft im Kita-Alltag: Verwendet die Begriffe, die ihr auch bei einem Arzt verwenden würdet.


Warum sollten Kinder die richtigen Begriffe für ihre Genitalien kennen?

Wenn es um kindliche Sexualität und sexuelle Bildung in der Kita geht, denken viele zunächst an Doktorspiele, Fragen zur Entstehung von Babys oder den Umgang mit Körpererkundung. Ein ebenso wichtiger Baustein ist aber viel grundlegender: Kinder sollten Worte für ihren eigenen Körper haben. Ein Kind, das seinen Penis, seine Vulva oder seine Hoden benennen kann, kann auch genauer darüber sprechen, wenn etwas unangenehm ist, weh tut oder sich nicht richtig anfühlt. Das bedeutet nicht, dass Kinder im Kindergarten sämtliche anatomischen Fachbegriffe auswendig lernen müssen. Aber sie sollten die Möglichkeit bekommen, diese Wörter kennenzulernen.


Penis und Vulva: Es darf auch genauer sein

Im Kita-Alltag wird häufig mit Sammelbegriffen gearbeitet. Das ist verständlich – aber manchmal lohnt es sich, genauer zu benennen. Wenn ein Kind beispielsweise über seinen Penis spricht, können auch Begriffe wie Hoden, Eichel oder Vorhaut vorkommen. Bei den weiblichen Genitalien dürfen z.B. auch die Schamlippen benannt werden. Denn gerade beim Thema Genitalien gilt: Was Erwachsene peinlich oder schwierig finden, wird für Kinder häufig erst durch die Reaktion der Erwachsenen peinlich. Wenn wir diese Körperteile selbstverständlich benennen, vermitteln wir eine wichtige Botschaft: Dein Körper ist nichts, wofür du dich schämen musst. Du darfst Fragen stellen. Du darfst deinen Körper benennen. Und du darfst darüber sprechen, wenn sich etwas nicht gut anfühlt.

 

Was ist, wenn Kinder „Mumu“, „Pullermann“ oder andere Verniedlichungen verwenden?

Hier gilt: Das Kind muss nicht korrigiert werden. Familien dürfen selbstverständlich ihre eigenen Bezeichnungen verwenden. Auch Kinder dürfen Wörter benutzen, die sie von zu Hause kennen. Die Aufgabe pädagogischer Fachkräfte ist nicht, Kindern ihre Sprache „abzugewöhnen“. Viel hilfreicher ist eine Strategie, die wir aus der alltagsintegrierten Sprachbildung kennen: Das Kind sagt: „Meine Mumu tut weh.“ Die pädagogische Fachkraft antwortet: „Deine Vulva/Scheide tut weh? Dann schauen wir einmal.“ Das Kind wird nicht belehrt und nicht verbessert. Das richtige Wort wird einfach als sprachliches Angebot in den Satz eingebaut. So kann es nach und nach Teil des passiven Wortschatzes des Kindes werden.

Entscheidend ist der Unterschied zwischen: „Du darfst dieses Wort nicht sagen.“ und „Du darfst dieses Wort benutzen – und du kennst außerdem die anatomisch korrekte Bezeichnung.“ Genau das schafft Sicherheit. Kinder lernen dadurch: Mein Körper ist nichts Peinliches. Ich darf darüber sprechen. Und ich kenne die Wörter dafür.


Anatomisch korrekte Begriffe und Kinderschutz

Ein korrekter Wortschatz für Körper und Genitalien ist auch im Bereich Kinderschutz und Prävention sexualisierter Gewalt bedeutsam. Wenn ein Kind von einer möglichen Grenzverletzung oder einem sexuellen Übergriff erzählt, müssen Erwachsene möglichst genau verstehen können, was passiert ist. Stellt euch vor, ein Kind erzählt: „Onkel Hermann war am Wochenende zu Besuch und hat sich meine Perle angeschaut.“ Wenn Erwachsene die verwendeten Begriffe nicht kennen oder das Kind keine eindeutigen Wörter für seinen Körper hat, kann es schwieriger sein, eine Aussage richtig einzuordnen und schlimmstenfalls wird gar kein Bezug zu einem Genital gezogen. Dann hat das Kind einem Erwachsenen von einem sexuellen Missbrauch oder Übergriff erzählt und dieser geht einfach darüber hinweg, weil er es nicht bemerkt.


Auch im späteren Alltag sind die Begriffe wichtig

Es gibt noch einen ganz praktischen Grund, Kindern die korrekten Begriffe anzubieten. Spätestens im Übergang zur Schule begegnen ihnen die Wörter immer häufiger. Vielleicht spricht eine Lehrkraft im Sachunterricht über den menschlichen Körper. Vielleicht verwendet ein Arzt oder eine Ärztin den Begriff „Vulva“. Vielleicht nutzt ein anderes Kind den Begriff "Hoden". Wenn ein Kind bisher ausschließlich einen Familienbegriff kennt, kann es möglicherweise gar nicht wissen, was damit gemeint ist und gerät eventuell in eine für es selbst peinliche Situation. Deshalb ist es hilfreich, wenn Kinder beides kennen: den vertrauten Familienbegriff und die anatomisch korrekte Bezeichnung.


Ganz konkret: Was sollten Fachkräfte in der Kita beachten?


  • anatomisch korrekte Begriffe selbstverständlich verwenden

  • Bezeichnungen nicht durch vermeintlich „kindgerechte“ Fantasiewörter ersetzen

  • auch einzelne Körperbereiche dürfen genau benannt werden

  • Familienbegriffe und kindliche Bezeichnungen nicht verbieten

  • Kinder nicht wegen ihrer Wortwahl beschämen oder auslachen

  • korrekte Begriffe im eigenen Sprachgebrauch anbieten

  • Aussagen von Kindern über ihren Körper ernst nehmen und möglichst genau verstehen

  • Körperwissen als Teil von sexueller Bildung und Kinderschutz verstehen


Mehr Sicherheit im Umgang mit kindlicher Sexualität in der Kita

Wie können pädagogische Fachkräfte Doktorspiele professionell begleiten? Wann sollten Erwachsene eingreifen? Wie geht man damit um wenn ein Kind sich selbst stimuliert? Was gehört zur normalen kindlichen Sexualentwicklung – und wann sollte eine Situation genauer betrachtet werden? Wie sprechen wir mit den Eltern über dieses Thema?


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