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Schlaf doch endlich durch!

  • ehansen-olpe
  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Schlafmangel ist etwas, das einem persönlich extrem zusetzen kann und nicht zuletzt aufgrund dessen fiebern viele Eltern dem Zeitpunkt entgegen ab dem ein Kind endlich durchschläft. Sicher wirst auch du als Fachkraft immer mal wieder gefragt, ob es normal ist, dass das 2-jährige Kind immer noch nicht durchschläft und wann es endlich soweit ist. Hier ein paar Fakten, die euch helfen Unsicherheiten der Eltern aufzufangen.



Zunächst einmal haben wir in Deutschland in den letzten Jahrzehnten eine Erwartungshaltung entwickelt, die uns selber extrem unter Druck setzt, denn der Durchschnitt geht davon aus, dass ein Baby mit 6 Monaten durchschlafen sollte. In Portugal, zum Vergleich, wird das erst von Kinder ab der Einschulung erwartet. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen und ist sowieso sehr individuell. Statistisch gesehen kann man sagen, dass über 1/3 der Zweieinhalbjährigen nachts noch regelmäßig wach wird und bei Kleinkindern bereits ab 5 Stunden am Stück von Durchschlafen gesprochen wird. Ein wichtiger Schritt in diesem Themenkomplex ist für Eltern also erstmal sich von unrealistischen Erwartungen zu lösen und individuell den aktuellen Stand anzunehmen. Denn wer selbst mit Stress und Druck daran geht, der wird immer mehr Unruhe auf das Kind übertragen und am Ende das Gegenteil von dem erreichen, was man möchte.


Durchschlafen bedeutet darüber hinaus auch nicht, dass ein Kind de facto gar nicht mehr wach wird während der Nacht, sondern nur, dass das Kind diese kurzen Aufwachphasen selber meistert und selbstständig zurück in den Schlaf findet. Würde ein Kind tief und fest durchschlafen, wäre das evolutionär gesehen auch ein großes Problem. Denn diese Kinder wären wohl die ersten gewesen die von Raubtieren gefressen oder im Schlaf erfroren wären. Das Wachwerden ist also ein fest verankerter Schutzmechanismus, der dafür gesorgt hat, dass die Kleinen sich vergewissern, ob alles noch in Ordnung ist, ihre Schutzperson vielleicht in der Nähe und so weiter. Deshalb geht es auch nicht darum die Kinder auf Teufel komm raus im Schlaf zu halten, sondern eher darum, ihnen Regulationsmechanismen und Strategien an die Hand zu geben, wie sie lernen eigenständig wieder einzuschlafen.


Oftmals beobachtet man bestimmte Phasen bei Babys und auch noch bei jungen Kleinkindern, wo sie nach kurzer Zeit des Nacht- oder Mittagsschlafs (z.B. 15-20 Minuten um den 4. Monat oder alle 45 Minuten) wieder wach werden. Dabei handelt es sich um jene überlebnswichtigen Schlafphasenwechsel, die dazu dienen, die Lage zu checken. Oftmals werden diese durch die Erwachsenen aber fehlinterpretiert, sollte das Kind es nicht alleine schaffen wieder einzuschalfen. Hier gehen einige dann davon aus, dass das Kind nicht mehr müde ist/ weiterschlafen kann und nehmen dies zähneknirschend so an. In der Regel ist es aber so, dass die Kinder nur zeitweise (nochmal) eine stärkere Koregulation benötigen als zuvor, weil gerade z.B. wieder ein Entwicklungsschub ansteht. Das heißt, in diesen Situationen sollte das Kind mit den bewährten Methoden wieder zurück in den Schlaf gebracht werden. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das mitunter 15-20 Minuten dauern kann, aber danach schläft das Baby oder Kleinkind dann auf einmal sehr lang und fest. Bei meinen beiden Jungs war es so, dass sie beim Mittagsschlaf zwei Phasen von je zwei oder drei Wochen hatten, wo sie nach kurzer Zeit wieder wach wurden. Ich habe sie dann zurück in den Schlaf begleitet, was mitunter mal 20 Minuten gedauert hat, aber danach schliefen sie dann auch für 2 Stunden fest und nach dem Ende dieser Phase war ihr Mittagsschlaf mit 2-3 Stunden auch langfristig deutlich länger als davor.


Wann ein Kind nun selber in der Lage ist für ein Durchschlafen zu sorgen, hängt auch von dem Charakter des Kindes ab. Einige sind generell ruhiger und ausgeglichener und schon sehr früh dazu in der Lage sich selbst zu regulieren, andere brauchen noch länger die Ko-Regulation durch einen Erwachsenen. Beschleunigen kann man das, indem man sinnvolle Regulationsmechanismen anbietet, einen guten Tagesschlaf und eine ausgewogene Tagesstruktur sicherstellt, selber mit Ruhe an das Thema geht und dem Kind durch Rituale und Sicherheit signalisiert, dass es geborgen ist und sich fallen lassen kann.


Welche Rituale das sind, ob das Familienbett deshalb besser ist als das Einzelbett, wie viel das Kind am Tag schlafen sollte und welche Koregulationsstrategien es gibt, sind Folgefragen vieler Eltern. Bei einem Elternabend - online oder in Präsenz - gehe ich darauf genauer ein und liefere noch weiteres Hintergrundwissen und viele Tipps für den Alltag. Auch eine Inhouse-Fortnbildung zu dem Thema mit Schwerpunkten auf der Schlafbegleitung in der Kita und der Elternberatung, kann entlastend für dich und dein Team sein. Melde dich gerne bei mir, wenn du Interesse hast.


Quellen:  Imlau und Renz-Polster: Schlaf gut, Baby! Der sanfte Weg zu ruhigen Nächten. GU Baby 2016.

Remo H. Largo: Babyjahre: Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren. Piper 2019.

 
 
 

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